Vita
 
Zwischen Farben, Pinseln, Papier und Leinwand aufgewachsen, war mir bis zum Kindergartenalter nicht bewusst, dass es Familien gibt, in denen nicht gezeichnet und gemalt wird. Der bildnerische Akt war für mich eine völlig natürliche Ausdrucksweise, derer ich mich ebenso bediente wie meine Eltern und mein älterer Bruder, ab dem Zeitpunkt, ab dem ich einen Stift in der Hand halten konnte. Meine Familie wird seit Generationen von Kunstschaffenden dominiert, da waren genetische Veranlagung und Erziehung in potenzierender Übereinstimmung.
 
In den Jahren, in denen man sich seinen Beruf erwählt, hatte ich allerdings nie die Absicht, Künstlerin zu werden. Diese war ich bereits im Alter von 16 - 17 Jahren, wenngleich mir das damals nicht bewusst war. Der starke, ja unbändige Drang zu Malen und das Engagement, das ich schon damals dafür entwickelte, waren mir zu selbstverständlich. So hatte ich nicht das Gefühl, "etwas Besonderes" zu tun.
 
Auf jeden Fall wollte ich einen anderen Beruf ausüben als meine Eltern, nicht zuletzt deswegen, weil mir die großen Mühen, die enormen Anstrengungen, die quälenden Selbstzweifel, welche die Malerei mit sich bringt, nicht entgingen. Und das geringe Salär dafür empfand ich als beschämend - für die Käufer, versteht sich. So entschloss ich mich, Innenarchitektur und Design zu studieren, was mir sehr wohl lag, und mir den Titel des Dipl. Designers einbrachte. Jedoch konnte mir mein Studium den "Wolf´schen Urdrang zum Malen" keineswegs austreiben, eher bereicherte es noch mein technisches Können, lehrte mich die Perspektive und verstärkte mein ästhetisches Empfinden.
 
In meiner Kinder- und Jugendzeit malte ich vorwiegend Portraits, jeder, der gewillt war, mir zu "sitzen", wurde schwarz-weiß oder farbig interpretiert. Mit 13 Jahren schon verdiente ich mir mit Portraitzeichnungen von Mitschülerinnen ein kleines Entgeld, was aber nicht die Triebfeder gewesen ist, sondern diese prickelnde Neugier, was ich wie auszudrücken imstande wäre. Im stürmischen Alter von 15 bis 18 Jahren fertigte ich großflächige Plakate, mit breitem Pinsel kraftvoll gemalt, nichtsdestoweniger realistisch und exakt, vorwiegend Gesichter der damaligen Idole und unser geordnetes Klassenzimmer wurde zeitweise zum farbvollen Ausstellungsraum meiner ausdrucksstarken Werke.
 
In meiner Designer-Studienzeit nannte man mich "die Malerin", was ich kaum als Kompliment empfand, strebte ich doch eine Karriere als Innenarchitektin an.... In diesen Jahren begann ich, mich in die Landschaft zu setzen, immer wieder, um ihre Schönheit, ihren Charakter und ihre Leichtigkeit mit Aquarellfarben auf Papier zu bringen. Nach zweijähriger Tätigkeit als festangestellte Innenarchitektin begann ich als junge Mutter eines Mädchens wieder mit der Malerei und ab dem Zeitpunkt nahm das Lernen und Wachsen in diesem Metier kein Ende mehr.
 
Genau 20 Jahre lang malte ich ausschließlich vor der Natur; In den drei Techniken Aquarell, Tempera und Ölmalerei arbeitete ich im Freien und im Atelier - Landschaft, Architektur, verschiedenste Themen und wieder - Portraits, die schwierigste Aufgabe in diesem Metier.
 
In dem Moment, als ich alle diese Techniken und Themen beherrschte, suchte ich eine neue Herausforderung, denn Routine war mir stets ein Greuel.....
 
Im Jahr 2000 hatte ich - auch wenn das seltsam klingt - eine klare und überraschende Eingebung. Sie kam aus dem Bereich meines Seins, der nicht greifbar und nicht er-denkbar ist.Das Ergebnis ist die Serie "Duale Realitäten", welche die göttliche und die menschliche Schöpfung in einen neuen Zusammenhang bringt.Profaner ausgedrückt: Ein "wildes" Tier befindet sich an einem Ort, wo es nicht hingehört, weil diesen Platz der Mensch für sich gestaltet hat.. (Unterschwellig taucht beim Betrachter die Frage auf, ob er selbst da eigentlich eingeplantwurde, weil er fühlt, dass auch er ein Teil der Natur ist.)
 
Zur Überraschung des Betrachters und oft auch zu meiner eigenen, steht da ein Tier - in seinem unbedingten Selbst-Bewußtsein, in seiner natürlichen Würde und unschuldigen Vollkommenheit. So irreal die Situationen sind, so selbstverständlich wirken sie in diesen Kompositionen. Und je mehr Bilder man aus dieser Serie betrachtet, umso mehr kommt man ins Staunen, dass unsere "Realität" dieser künstlerischen Realität nicht entspricht....
Ursa Wolf